Das Bobath Therapie Konzept

Die Bobath-Therapie ist mehr als nur eine klassische physiotherapeutische Methode, sie ist ein wichtiger Bestandteil der Neurorehabilitation. Als spezialisiertes Behandlungskonzept für Menschen mit Erkrankungen des zentralen Nervensystems verfolgt sie das klare Ziel, gestörte Bewegungsmuster zu verbessern und verloren gegangene Funktionen aktiv wieder anzubahnen. Im Fokus steht nicht das isolierte Training einzelner Muskeln, sondern der Mensch als Ganzes. Das Besondere: die Behandlung findet nicht nur auf der Behandlungsbank statt, sondern betrifft den gesamten Alltag der Patienten. 

Was ist das Bobath-Konzept?

Das Boabth-Konzept ist ein weltweit annerkanntes, ganzheitliches Therapie- und Pflegekonzept für Menschen mit Erkrankungen des zentralen Nervensystems. Es zielt darauf ab beispielsweise nach einem Schlaganfall oder bei chronischen neurologischen Erkrankungen durch gezieltes Training verlorene Bewegungsfähigkeiten wiederzuerlernen.

 

Der Erfolg des Konzept basiert auf der engen Zusammenarbeit zwischen Therapeuten, Pflegekräften und Angehörigen um eine dauerhafte Förderung des Patienten zu gewährleisten. In einer Art 24-Stunden-Konzept werden konsequent verschiedene Übungen in allen Alltagsaktivitäten wie Waschen, Essen, Aufstehen oder Anziehen eingebracht, um einen langfristigen Erfolg zu gewährleisten. 

Urspung und Entwicklung des Bobath-Konzepts

Das Konzept wurde von Berta Bobath, einer Physiotherapeutin und ihrem Ehemann Karel Bobath, einem Neurologen, in den 1940er Jahren entwickelt. Das Ehepaar erkannte weit vor der breiten wissenschaftlichen Anerkennung, dass unser Nervensystem lernfähig ist. Eine Fähigkeit, die heute als Neuroplastizität bekannt ist. Auf dieser Grundlage entwickelten sie das Bobath-Konzept, das nicht auf starren Übungen, sondern auf individueller Anpassungen und funktionellen Bewegungen basiert. 

 

Während das Konzept früher eher defensiv war, ist es heute ein dynamischer aktivierender Ansatz, der kontinuierlich an neueste wissenschaftliche Erkenntnisse angepasst wird.  

Grundlagen des Bobath-Konzepts

Neuroplastizität als Basis

Das zentrale Fundament der Bobath-Therapie ist die Fähigkeit des Gehirns, sich neu zu organisieren.
Durch gezielte Wiederholungen und sinnvollen Bewegungsanreize können neue neuronale Verbindungen entstehen. Das Gehirn lernt also, die Lähmung oder Störung zu umgehen.

Ganzheitlicher Therapieansatz

Im Gegensatz zu isolierten Trainingsmethoden betrachtet die Bobath-Therapie den gesamten Körper und die indviduellen Lebensumstände des Patienten
Jede Therapie wird individuell angepasst

Ziel der Therapie

Verbesserung von Haltung & Bewegung
Förderung der Selbstständigkeit
Wiedererlernen alltagsrelevanter Aktivitäten

Unterschied zu anderen Therapieformen

Im direkten Vergleich zu anderen neurologischen Verfahren wie Vojta zeigt sich ein deutlicher Unterschied in der Herangehensweise. Während Vojta über den Druck auf spezifische Reizpunkte reflexartige Bewegungsmuster auslöst, setzt Bobath auf die aktive Motivation und Plastizität des Gehirns. Der Patient wird nicht passiv behandelt, sondern lernt durch geführte Bewegungen des Therapeuten, seinen Körper wieder selbst zu kontrollieren und den Muskeltonus zu regulieren. 

 

Gegenüber der PNF-Methode, die sehr strukturiert mit diagonalen Bewegungsmustern und Widerständen arbeitet, ist Bobath deutlich individueller und flexibler. Es gibt keine starren Übungskataloge, stattdessen passt sich die Therapie minütlich an die Reaktion des Nervensystems an. Während PNF oft auf Kraft und Koordination abzielt, liegt der Fokus bei Bobath auf der Normalisierung der Haltung und der Hemmung fehlerhafter Bewegungsmuster. 

 

Ein weiterer Kontrast besteht zur Methode nach Perfetti. Hier steht die kognitive Leistung im Zentrum, der Patient muss Probleme lösen, um Bewegungen zu steuern. Bobath hingegen setzt früher an und nutzt die direkte Körpererfahrung, um verloren gegangene Bewegungsschemata im Gehirn neu zu verknüpfen. 

Für wen ist die Bobath-Therapie geeignet?

Die Bobath-Therapie ist vielseitig einsetztbar und begleitet Patienten oft über lange Zeiträume, sie richtet sich an Menschen mit neurologischen Einschränkungen. Bei Erwachsenen: 

Schlaganfall
Morbus Parkinson
Multiple Sklerose
Schädel-Hirn-Trauma

Bei Kindern: 

Zerebralparese
Entwicklungsverzögerungen

Wichtig: Auch hier gilt, je früher die Therapie beginnt, desto besser lassen sich Fortschritte erzielen. Ergänzende Übungen und einfache Trainingsgeräte können helfen, die Therapie im Alltag fortzuführen. 

Ablauf einer Bobath-Behandlung

Eine typische Behandlung folgt keinem starren Schema, sondern orientiert sich am individuellen Zustand des Patienten. 

1_befund_zielsetzung
2_therapieplanung
3_therapiedurchfuehrung
4_alltag
Icon zwei Menschen mit Klemmbrett

1. Befund & Zielsetztung

Der Therapeut analysiert: Bewegungsmuster, Muskelspannungen und Barrieren im Alltag

Icon Papierbogen

2. Individuelle Therapieplanung

Anhand der Notizen werden mit dem Patienten konkrete Ziele definiert, z.B. sicheres Gehen oder eigenständiges Anziehen

Icon Physiotherapeut mit Patient

3. Durchführung der Therapie 

Die Behandlung umfasst: 

Handling: geführte Bewegungen
Fazilitation: Unterstützung von Alltagsaktivitäten
Hemmung: Korrektur von Spastiken und Fehhaltungen

Icon Mensch läuft

4. Transfer in den Alltag

Übungen werden in den Alltag integriert. Viele dieser Übungen lassen sich mit einfachen Hilfsmitteln auch zu Hause fortführen, was den Therapieerfolg deutlich steigern kann

1. Befund & Zielsetztung

Der Therapeut analysiert: Bewegungsmuster, Muskelspannungen und Barrieren im Alltag

2. Individuelle Therapieplanung

Anhand der Notizen werden mit dem Patienten konkrete Ziele definiert, z.B. sicheres Gehen oder eigenständiges Anziehen

3. Durchführung der Therapie 

Die Behandlung umfasst: 

Handling: geführte Bewegungen
Fazilitation: Unterstützung von Alltagsaktivitäten
Hemmung: Korrektur von Spastiken und Fehhaltungen

4. Transfer in den Alltag

Übungen werden in den Alltag integriert. Viele dieser Übungen lassen sich mit einfachen Hilfsmitteln auch zu Hause fortführen, was den Therapieerfolg deutlich steigern kann

Hilfsmittel in der Bobath-Therapie

Ein oft unterschätzter Faktor für den Erfolg ist die Wahl der richtigen Unterstützung. Hilfsmittel sind im Bobath-Konzept wertvolle Werkzeuge zur Aktivierung: 

Gleichgewicht & Koordination

 

Balance-pads & Wackelbretter fordern die Tiefenmuskulatur und fördern die Gleichgewichtsreaktionen.

Muskelaktivierung & Kraft

 

Thera-Bänder oder leichte Hanteln unterstützen den gezielten Muskelaufbau.

Lagerung & Unterstützung

 

Lagerungskissen & Rollen sind essenziell, um den Körper in Ruhephasen korrekt zu positionieren und Fehlstellungen vorzubeugen.

Feinmotorik & Greiffunktion

 

Handtrainer & Therapieknete sind unverzichtbar, um die Greiffunktion und Fingerfertigkeit gezielt zu schulen. 

Expertentipp

 

Die PINOPRO Bobath elektrisch 

Extra große Liege- & Arbeitsfläche, für komplexe Bewegungen und Übergänge auf der Liege
Höhere Stabilität und Verstellbarkeit, für extrem niedrigen Einstieg und aktive Übungen
Vielseitige Einsatzmöglichkeiten für Therapeuten
Elektrische Therapieliege PINOPRO BOBATH

Fazit

Das Bobath-Konzept bleibt durch seine individuelle Anpassungsfähigkeit eine absolut wichtige Herangehensweise in der neurologischen Physiotherapie. Es fordert Therapeuten und Patienten gleichermaßen heraus, aktiv an der Wiedergewinnung von Lebensqualität zu arbeiten. Durch die Kombination aus fachgerechtem Handling und der Integration moderner Hilfsmittel wird aus einer Therapie eine echte Chance auf ein selbstbestimmtes Leben. 

Häufig gestellte Fragen

Die Förderung der Eigenaktivität, das Verhindern von Kontrakturen, die Hemmung von Spastiken und die Verbesserung der Bewegung der betroffenen Körperseite.

Nein, es ist ein Ansatz, der von Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und speziell geschulten Pflegekräften angewendet wird, deshalb auch die Bezeichnung 24-Stunden-Konzept. 

Nein. Das Bobath-Konzept ist individuell und ganzheitlich. Es gibt keine festen Übungen, sondern maßgeschneiderte Ansätze basierend auf der Analyse des Patienten.

Patienten werden motiviert, sich selbst aktiv am Alltag zu beteiligen. Pflegekräfte oder Angehörige führen Bewegungen nicht für den Patienten aus, sonden leiten zur Selbstausführung an.

Menschen, die einen Schlaganfall, Hirnbutungen, Schädel-Hirn-Trauma, Hirntumore, Multiple Sklerose, Morbus Parkinson oder Rückenmarksverletzungen haben. 

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